Die Entstehungsgeschichte eines Notizbuchs mit Fitzbund.

 

 

 

Der Begriff Fitzbund steht für die Art des Knotens, der zur Bindung des Buches verwendet wird. Schon seit dem 14. Jahrhundert wird diese Art der Heftung angewandt. Heute findet man nur noch selten Bücher, die mit dem Fitzbund geheftet sind, was wahrscheinlich auch daran liegt, dass die Handbuchbinderei insgesamt sehr selten geworden ist.

Aus meiner Sicht bietet der Fitzbund aber unglaublich viele Vorteile:

  1. Sowohl für die Verbindung der einzelnen Papierlagen, als auch für das Zusammenfügen von Buchblock und Umschlag braucht es nicht einen einzigen Tropfen Klebstoff.
  2. Der Buchrücken bekommt eine ganz individuelle Note. Das Buch behält seine Besonderheit, auch wenn es im Bücherregal steht.
  3. Das Buch wird sehr langlebig. Ist das Buch erstmal fertig, gehören lose Seiten der Vergangenheit an.
  4. Der Fitzbund ermöglicht es trotz seiner Stabilität, das Buch an jeder beliebigen Stelle flach zu öffnen. Auch bei neuen Büchern gibt es keine stark gewölbten Seiten mehr, selbst in der Mitte lässt es sich bequem beschreiben, ohne den Buchrücken zu brechen.

Ganz abgesehen von diesen mehr oder weniger objektiven Gründen, macht es mir einfach sehr viel Spaß, diese alte Technik anzuwenden. Ich finde es bei jedem Buch aufs neue großartig, wenn aus losen Blättern und einem langen Faden urplötzlich ein Buch unter den eigenen Händen entsteht. Aber seht selbst...

 


 

Am Anfang steht, wie bei so vielem, die Idee. Oftmals ist es bei mir kein ausgereifter Entwurf, sondern ein schönes Papier, eine Material- oder Farbkombination oder ein anderes Detail, das mich anfangen lässt.

 

 Basismaterial

 

In diesem Beispiel habe ich ein neues Kaschierpapier gefunden, das ich gerne in ein schlichtes DIN A5-Tagebuch verwandeln möchte. Das Bild zeigt euch das Basismaterial: Cremefarbenes Papier in DIN A4, ein Stück Finpappe, dekoratives Papier für die Innen- und Außenseiten des Buches.

 

 

 

 

 

 

Gefaltetes Papier

 

 

 

 

Als erstes wird das Papier gefaltet, das später den Innenteil des Buches bildet. Damit die Faltkante (Falz) sauber wird, benutze ich dazu ein Falzbein.

 

 

 

 

 

 

 

 

Lagen entstehen

Die nun gefalteten Einzelblätter werden zu sogenannten Lagen oder Heften ineinander gesteckt. Dabei bilden etwa 5 Blätter eine Lage. Die Lagen werden nochmals mit dem Falzbein bearbeitet, damit die Falz so flach wie möglich wird.

 

 

 

 

 

Vorderkante des Buchblocks vor dem Schneiden

 

Da die inneren Blätter einer Lage nun an der Vorderkante des Buchblocks weiter herausschauen als die äußeren, müssen die Lagen beschnitten werden. Dazu werden alle Lagen übereinandergelegt, die gewünschte Breite wird festgelegt und dann möglichst senkrecht geschnitten.

 

 

 

 

Schneiden des Buchblocks

 

 

 

 

Die Techniken und Vorrichtungen für diesen Arbeitsschritt variieren sehr, wahrscheinlich macht es beinahe jeder anders. Ich nutze ein Lineal mit Führungsschiene, in der ein Messer geführt wird. Unabhängig von der Technik ist eines ganz wichtig: Weder Messer noch Buchblock dürfen verrutschen!

 

 

 

 

Der Innenteil des Buches ist nun soweit vorbereitet und wir uns dem Äußeren widmen. Ich fertige den Umschlag immer erst nachdem ich den Buchblock beschnitten habe. Das hat den einfachen Grund, dass beim beschneiden des Innenteils leichter etwas schief gehen kann und er kleiner wird, als ursprünglich geplant. Den Außenteil daran anzupassen ist ein leichtes, wenn er noch "roh" ist.

 

 

 

Buchblock mit zugeschnittener Pappe

 

Als erstes muss nun also die Größe des Einbanddeckels und -rückens festgelegt werden. Dann wird die Pappe entsprechend zugeschnitten.

 

 

 

Zugeschnittenes Kaschierpapier

 

 

 

 

 

Danach schneide ich das Kaschierpapier für die Innen- und Außenseiten des Bucheinbandes zu.

 

 

 

 

 

 

 

 

Und dann kann es losgehen. Mit Leim, Pinsel, Schwamm, Tüchern und Falzbein bewaffnet wird die Pappe kaschiert. Anschließend folgt eine Press- und Trockenzeit von einigen Stunden. An dieser Stelle ist wahrlich Geduld angebracht. Kaum etwas ist ärgerlicher als ein Buch, dessen Seiten sich wellen, weil der Einband noch leicht feucht ist.

 

 

 

 

Kaschierter Einband

 

 

In meinem Beispiel sieht das Ergebnis so aus. Links ist die Außenseite, rechts die Innenseite des Einbands zu sehen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bevor es nun mit Nadel und Faden weitergehen kann, lege ich erst das Stichmuster fest. Dann geht's ans Vorstechen: Sowohl der Einband, als auch die einzelnen Lagen des Innenteils müssen sauber gelocht werden.

Die Seiten und der Einband sind vorgestochen

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Jetzt wird  genäht. Das Prinzip bleibt dabei immer gleich: Die erste Lage wird am vorderen Einbanddeckel befestigt, die zweite Lage an der ersten, die dritte an der vierten, und so weiter, bis schließlich der hintere Einbanddeckel mit der letzten Lage vernäht wird. Da das Buch deutlich in der Qualität steigt wenn es mit nur einem einzigen langen Faden genäht wird, ist dieser Faden am Anfang oft über anderthalb Meter lang. Das kann nicht nur die Nerven strapazieren, sondern auch die Enden des Fadens. Damit sie sich nicht zu sehr aufzwirbeln, kann man sie mit etwas Wachs schützen.

 

 

 

Der fertige Fitzbund

 

 

Am fertigen Buchrücken ist der Fitzbund nun gut zu erkennen. Ich nähe besonders gerne mit mehreren Fäden gleichzeitig, da so das Knotenmuster sehr schön sichtbar wird.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das fertige Buch

 

 

 

Wenn Du nun Lust bekommen hast, das Ganze selber auszuprobieren, dann schau doch mal in meinem Online-Shop vorbei. Dort findest Du bald eine detaillierte Anleitung und entsprechende Material-Boxen.

 

 

 

 

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